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Morbus Forestier

 

Der Morbus Forestier wird auch hyperostotische Spondylose oder Hyperostosis ankylosans vertebralis senilis genannt. Der Morbus Forestier ist eine Sonderform von degenerativen Veränderungen hauptsächlich im Bereich der Brustwirbelsäule (BWS). Der Morbus Forestier kann aber auch an anderen Gelenken auftreten, z. B. in den Ellenbogengelenken, an den Hüftgelenken sowie der Halswirbelsäule (HWS). Oft werden auch starke Verkalkungen im Bereich der Bänder gefunden oder auch Kapselverkalkungen rund um die Gelenke. 

Häufigkeit des Morbus Forestier

Männer sind wesentlich häufiger betroffen als Frauen. Die Erkrankung tritt meist erst nach dem 60. Lebensjahr auf.  

Ursachen des Morbus Forestier

Die Wissenschaft ist sich noch nicht im Klaren, ob es sich beim Morbus Forestier um eine Variante des normalen Verschleißes an der Wirbelsäule, der sogenannten Spondylosis deformans, handelt oder ob es ein eigenständiges Krankheitsbild ist. Der Morbus Forestier tritt sehr häufig bei Stoffwechselstörungen auf. Hier wird insbesondere der Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit, genannt. Der Morbus Forestier kommt aber auch gehäuft bei Fettstoffwechselstörungen oder bei der Gicht auf. 

Diagnose des Morbus Forestier

Zunehmende Bewegungseinschränkungen im Bereich der befallenen Wirbelsäulenabschnitte führen den Patienten zum Arzt. Da der Morbus (M) Forestier hauptsächlich im BWS-Bereich auftritt, besteht nur selten eine ausgeprägte klinische Symptomatik. Beim Auftreten im Bereich der HWS oder der Lendenwirbelsäule (LWS) wird die Versteifung mit Bewegungseinschränkungen den Patienten eher zum Arzt führen.  

Klinische Untersuchung bei Morbus Forestier

Ihr Arzt wird zunächst eine genaue Anamnese (Krankheitsgeschichte) mit Ihnen besprechen. Bei der Untersuchung fällt meistens eine verstärkte Kyphose (deutlicher Rundrücken) im Bereich der BWS auf. Die Beweglichkeit ist erheblich eingeschränkt. Oft kommen noch zusätzliche Bewegungseinschränkungen als HWS und LWS dazu, aber auch an den großen Gelenken, z. B. den Hüftgelenken oder den Ellenbogengelenken. Ein allgemeines Krankheitsgefühl fehlt. Auffällig ist, dass die Erkrankung häufig bei eher kleinen, dicken Patienten auftritt, oft auch in Begleitung eines M. Dupuytren. Hierbei handelt es sich um Bewegungseinschränkungen durch Verkürzungen an der Handinnenfläche.  

Blutuntersuchungen bei Morbus Forestier

Charakteristische Laborbefunde oder Entzündungszeichen fehlen beim Morbus (M) Forestier völlig, aber man kann häufig die bereits o. e. Stoffwechselerkrankungen, wie erhöhter Blutzucker, erhöhte Harnsäure-Belastung und erhöhte Fettwerte im Blut, feststellen.

Röntgen

Die Diagnose des Morbus Forestier wird durch die Röntgenbilder gestellt. Falls nötig werden Röntgenaufnahmen der HWS, BWS und LWS jeweils in 2 Ebenen, d. h. von vorn und seitlich, durchgeführt.

Charakteristisch für den Morbus Forestier sind starke Verkalkungen mit spangenförmigen Überbrückungen auf der Vorderseite der BWS. Diese Spangen sind meist sehr groß (hypertroph und abgerundet).

Sollten noch Beschwerden und Bewegungseinschränkungen im Bereich der großen Gelenke bestehen, müssten diese jeweils auch geröntgt werden. Oft findet man hier neben degenerativen Veränderungen auch Verkalkungen im Bereich der Gelenkkapseln und der Sehnenansätze.

Abzugrenzen ist der Morbus Forestier von degenerativen Veränderungen (Spondylosis deformans), entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie z. B. dem Morbus Bechterew aber auch stoffwechselbedingten Veränderungen wie bei der Gicht. Ggf. wird Ihr Arzt noch weitere Laboruntersuchungen veranlassen.

Zur Abgrenzung zum Morbus Bechterew werden ggf. noch Szintigraphien oder Kernspintomographien notwendig.

Ein einfacher Test besteht in der Messung der Atembreite. Hierbei wird mit einem Maßband der Unterschied zwischen Ein- und Ausatmen am Brustkorb gemessen. Beim Morbus Forestier ist diese Atembreite nicht eingeschränkt, bei dem Morbus Bechterew kommt es häufig als erstem Symptom zu einer deutlichen Einschränkung der Atembreite. Diese ist manchmal auf 2 cm reduziert. Die Beweglichkeit des Brustkorbs wird beim Morbus Bechterew durch Befall der kleinen Wirbelgelenke und der Gelenke hervorgerufen. Beim Morbus Forestier sind diese Gelenke in den Krankheitsprozess nicht einbezogen.  

Therapie des Morbus Forestier

Sind die Bewegungseinschränkungen auf die BWS beschränkt, ist eine Therapie oft nicht notwendig.

Sollten aber Beschwerden durch die vermehrte Rundrückenbildung auftreten, steht im Vordergrund die krankengymnastische Behandlung. Hier werden Verkürzungen im Bereich der Muskulatur sowie an den Sehnen und Bändern aufgedehnt. Zur Stabilisierung wird eine muskelkräftigende Übungsbehandlung eingeleitet.

Treten beim Morbus Forestier Einschränkungen der Beweglichkeit an den großen Gelenken auf, müssen hier ebenfalls Dehnungen sowie Kräftigungsübungen dem Patienten beigebracht werden. Die Übung der Beweglichkeit sollte aber nur bis zur Schmerzgrenze erfolgen. 

Physikalische Maßnahmen beim Morbus Forestier

Bei den physikalischen Maßnahmen stehen im Vordergrund die muskelentspannenden Maßnahmen sowie eine wärmende Behandlung. Ggf. können auch schmerzlindernde Elektrotherapien eingesetzt werden. 

Chirotherapie bei Morbus Forestier

Leichte mobilisierende, d. h. bewegungsfördernde Maßnahmen können durchgeführt werden. Manipulationen („Einrenkungen“) sollten nicht durchgeführt werden. 

Bei lokalen Beschwerden können auch Infiltrationen bei Morbus Forestier notwendig werden, ebenso Medikamente, die sowohl schmerz- als auch reizmindernd wirken. Ggf. noch zusätzlich muskelentspannende Präparate. Über die entsprechenden Nebenwirkungen sollten Sie sich mit Ihrem behandelnden Orthopäden beraten.

Auch sollten Sie alle Medikamente aufführen, die Sie einnehmen, um unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen möglichst auszuschließen.

Wie oben erwähnt tritt der Morbus Forestier gehäuft mit Stoffwechselerkrankungen zusammen auf. Hier sollte mit dem Hausarzt oder dem behandelnden Internisten über eine entsprechende Therapie gesprochen werden, ggf. müssen entsprechende Medikamente eingenommen werden.  

Ernährungsberatung bei Morbus Forestier

Da der Morbus Forestier häufig mit Zuckererkrankung, Gicht und erhöhten Fetten im Blut auftritt, ist eine Ernährungsberatung durch einen staatlich geprüften Diätassistenten oder einen Oecotrophologen dringend notwendig, ggf. ist eine Gewichtsreduktion notwendig. Auch sollte über eine Umstellung von Ernährungsverhalten und sportlichen Tätigkeiten nachgedacht werden.

Ergotherapie bei Morbus Forestier

In der Ergotherapie werden beim Morbus Forestier Hilfen für den Alltag und Beruf vermittelt, im Vordergrund steht der Gelenkschutz. Sollten noch Hilfsmittel notwendig werden, wird dies mit den speziell ausgebildeten Ergotherapeuten besprochen, ggf. werden die Hilfsmittel verordnet. Oft kann eine Greifzange als auch eine Strumpfanziehhilfe im Alltag eine gute Hilfe geben.

Psychologische Behandlungsansätze bei Morbus Forestier

Durch die starken Muskelverspannungen können beim Morbus Forestier gehäuft Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule und an den Gelenken auftreten. Hier können Entspannungsmethoden wie das Autogene Training, die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, die Eutonie als auch die Stressbewältigung und die Schmerztherapie eine Erleichterung bringen.  

Medizinische Trainingstherapie (MTT) bei Morbus Forestier

Ergänzt wird die krankengymnastische Übungsbehandlung beim Morbus Forestier durch die MTT. Auch bei alten Menschen ist entsprechend der Belastungsfähigkeit eine Trainingstherapie möglich. Die Muskulatur wird bei der MTT an speziellen Fitnessgeräten unter Aufsicht von geschulten Physiotherapeuten aufgebaut. Im Rahmen der Sporttherapie können evtl. falsche Trainingsmethoden korrigiert werden.  

Operationen werden beim Morbus Forestier nicht notwendig. 

Die Prognose des Morbus Forestier ist insgesamt gut. Trotz zunehmender Einsteifung sind die Beschwerden im Laufe der Zeit rückläufig.  

Der Morbus Forestier ist zwar eine bewegungseinschränkende und zeitweilig stark schmerzhafte degenerative Wirbelsäulenerkrankung, es bestehen aber viele Möglichkeiten, diese zu behandeln.

Wir können dies im Rahmen eines stationären Aufenthaltes in der orthopädischen Abteilung der Klinik am Homberg durchführen, um Ihnen langfristig zu helfen.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Übersicht einen Einblick in das Krankheitsbild des Morbus Forestier vermittelt zu haben.

Wir freuen uns, wenn wir Ihnen helfen können.

Ihr Team von der Klinik am Homberg

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Aktualisiert: Januar 2010

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